Knieschmerzen nach Golf

Knieschmerzen nach Golf


Kniebeschwerden treten zu über 20 Prozent bei Golfspielern, entweder während oder nach dem Spiel auf. Anfänger und Fortgeschrittene sind davon gleichermaßen betroffen. Selbst Profi Tiger Woods musste sich schon mehrfach Knieoperationen unterziehen und danach seine Technik grundlegend verändern. Kein Wunder: Ein satter Durchschwung übt auf den Körper unheimliche Beschleunigungskräfte, mit bis zu einer Tonne, aus. Das komplexeste Gelenk des Menschen muss da einiges aushalten. Vorangegangene Sportverletzung am Knie, erste Abnutzungserscheinungen oder Fehl- bzw. Überbelastungen können dabei zu Schmerzen sowie Verletzungen führen. Lesen Sie hier, wann Kniebeschwerden beim Golf auftreten und welche Behandlungsmaßnahmen sie lindern können

Wie entstehen Knieschmerzen beim Golfspiel?


Zunächst einmal ist es wichtig, zu verstehen, wie das Knie aufgebaut ist und wie es funktioniert. Das menschliche Knie ist das größte und komplexeste aller Gelenke im Körper. Ständig ist es großen Belastungen ausgesetzt. Daher macht das Zusammenspiel von Gelenkkapsel, Knorpel, Fettpolster, Bändern, Sehnen und Muskeln es stabil und gleichzeitig flexibel. Bei Golfspielern am häufigsten betroffen sind Knorpel, Menisken und Bänder. Die häufigsten Ursachen für Knieschmerzen sind Abnutzung, Kniearthrose, eine Fehlstellung der Füße, schwache Muskeln bzw. Sehnen, vorangegangene Verletzungen und abrupte Bewegungen sowie Überbelastungen beim Schwung. Gerade am Ende einer Schwungphase bei der Außenrotation des Knies werden Bänder und Menisken besonders belastet. Die Schmerzen treten bei Rechtshändern dann meist innen am linken Knie auf und bei Linkshändern umgekehrt. Im Folgenden sind die wichtigsten Bestandteile des Knies und wie sie beim Golfen in Mitleidenschaft gezogen werden können, beschrieben.

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Knorpel

Der untere Teil des Oberschenkels, die Oberschenkelrolle, und der obere Teil des Schienbeins, der Schienbeinkopf, bilden zusammen mit der Kniescheibe das Knochengerüst des Knies. Sie sind mit einer glatten und elastischen Knorpelschicht überzogen. Diese funktioniert wie ein Schmiermittel und verhindert das Zusammenstoßen der Knochen, sorgt bei Belastung des Knies mit teilweise dem Mehrfachen des Körpergewichts für Stabilität und macht es außerdem beweglich. Dieser sogenannte hyaline Knorpel verliert im Erwachsenenalter die Fähigkeit, sich zu regenerieren. Verschleißerscheinungen sind daher eine mögliche Ursache für Schmerzen bei Überbelastungen während des Golfspielens oder Beschwerden nach dem Golfsport.


Golfer Abschlag

Meniskus


Zwischen den Knorpelflächen befinden sich zwei Menisken (Singular: Meniskus). Dabei handelt es sich um Pufferzonen, die wie Kissen um die Knochen herum liegen. Sie federn das Knie gegen Stöße ab, verteilen das Körpergewicht auf das gesamte Gelenk und verhindern ein Überdrehen des Knies. Bei abrupten Bewegungen oder einem fehlerhaften Schwung können die Menisken überdehnt und dadurch verletzt werden. Häufig entstehen dann kleine Risse, die Fissuren genannt werden.


Bänder


Zuständig für Motorik und Stabilität sind die Bänder. Am Kniegelenk unterscheiden wir das vordere und hintere Kreuzband, sowie die beiden Seitenbänder.

Wie äußern sich die Beschwerden am Knie nach dem Golf?


Eine Golfrunde mit 18 Löchern kann für einen Spieler mit Beschwerden eine große Herausforderung darstellen, da er mehrere Stunden unterwegs ist und dabei mehrere Kilometer zurücklegen muss. Neben Ermüdungserscheinungen verspüren Patienten mit Verschleiß oftmals starke Schmerzen beim Laufen. Handelt es sich um einen Knorpelschaden, können sich die Schmerzen als drückend bis dumpf äußern und andauern oder auch krampfartig sein. Nach einer Ruhephase klingen sie häufig ab.

Ein Riss in einem der Menisken hingegen kann sich durch stechenden Schmerz und ein Ziehen im Innen- oder Außenbereich des Knies äußern. Die Bewegung wird stark eingeschränkt, der Patient kann beim Auftreten Schmerzen spüren und beginnen, zu hinken. Wenn er auf die betroffene Stelle drückt, sind ebenfalls Schmerzen möglich. Ein Beugen oder Strecken des Beins ist kaum bis gar nicht durchführbar. Das Knie kann anschwellen und sich heiß anfühlen. Beides deutet auf eine Entzündung hin.

Auch Schädigungen im Bandbereich können zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Kniegelenkes führen.


Darstellung von Schmerzen im Knie

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Porträt von Dr. med. Gerret Hochholz

Dr. Gerret Hochholz

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Porträt von Philipp Wolf

Philipp Wolf

Facharzt für Orthopädie
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Wie werden Knieprobleme nach dem Golfspiel diagnostiziert?


Um der Ursache  der Beschwerden auf den Grund zu gehen wird zunächst eine ausführliche Anamnese durchgeführt. Im Folgenden erfolgt dann eine körperliche Untersuchung. Mittels spezifischer Tests können Hinweise auf bestimmte Schädigungen gesammelt werden.
Im Ultraschall können Ergussbildungen gesehen werden, die Hinweise auf Entzündungen geben können.

Knöcherne Ursachen wie Brüche und degenerative Veränderungen können mittels Röntgen dargestellt werden.
Die Kniebinnenstrukturen werden dann durch eine MRT-Untersuchung am Besten dargestellt. Sie dient vor allem zur Diagnostik von Meniskus- und Bandverletzungen.

Um die eigentliche Ursachen der Schmerzen beim Golf zu klären, empfiehlt sich die Durchführung einer Bewegungsanalyse. Hier steht vor allem die Schwunganalyse im Mittelpunkt.


Offenes MRT Typ SScan

Welche Therapien für Beschwerden am Knie nach Golf kommen infrage?


Knorpelschäden sind leider irreparabel. Es kann lediglich versucht werden, den Knorpelverschleiß zu stoppen bzw. zu verzögern. Dazu kann dem Patienten Hyaluronsäure ins Kniegelenk gespritzt werden (Gelenkinfiltration). Ergänzend zur Hyaluronsäuretherapie ist die Durchführung einer Triggerakupunktur sehr erfolgversprechend, da durch die Behandlung spezieller Schmerzpunkte das Beschwerdbild deutlich verbessert werden kann.

Auch kann mittels spezieller Einlagen die Beinachse so korrigiert werden, dass es zu einer Schmerzentlastung kommt. Mit Hilfe einer Bewegungsanalyse ist es ebenfalls möglich ein spezifisches Übungsprogramm zur Stabilisierung der Beinachse zu erarbeiten.

Erst bei Versagen der konservativen Möglichkeiten werden operative Möglichkeiten wie Arthroskopie und Prothesenversorgung in Betracht gezogen.

Meniscusschäden können grundsätzlich konservativ oder operativ behandelt werden. Da sie sehr gut auf die Konservativen Methoden reagieren sollte nur bei Einklemmungssymptomatiken oder beim Versagen der Konservativen Therapie operiert werden.
Sehr gute Erfolge erzielt man mit Injektionen mit Traumeel/Zeel- also mit naturheilkundlichen Entzündungshemmern. Auch eine Kräftigung der Beinachse in Eigenregie oder mit physiotherapeutischen Maßnahmen ist zu empfehlen.

Auch bei Bandverletzungen kann konservativ oder operativ versorgt werden. Dabei wird das Innenband in den meisten Fällen konservativ behandelt. Bei Verletzungen des vorderen Kreuzbandes rät man vor allem bei Sportlern zum operativen Ersatz des Kreuzbandes.

Die meisten Kniebeschwerden beim Golfen sind allerdings funktioneller Natur, haben also meist muskuläre Ursachen im Rahmen einer Fehlbelastung. Durch eine Schwunganalyse kann man diesen auf den Grund gehen und ein gezieltes Trainingsprogramm erarbeiten

Wie gut sind die Prognosen bei Knieschmerzen beim Golfspielen?


Die Prognose hinsichtlich der Knieschmerzen beim Golfspielen sind insgesamt gut. Durch die Vielzahl der Konservativen Therapiemöglichkeiten können die meisten Beschwerden gelindert werden.
Auch bei strukturellen Problemen wie der Kniearthrose kann der Golfschwung so umgestellt werden dass es zu einer Schmerzentlastung kommen kann und der Patient weiter mit Freude seinen Sport ausüben kann.

Wie können Kniebeschwerden bei oder nach Golf verhindert werden?


Kniebandagen und kinesiologische Tapes können das Knie stabilisieren und stützen. Ein gezieltes Muskelaufbautraining und entsprechendes Aufwärmtraining vor dem Golfsport kann das Verletzungsrisiko für Meniskusverletzungen und Bänderrisse senken.

Das Tragen von verstärkten Socken kann ebenfalls hilfreich sein. Gegebenenfalls können Sporteinlagen in den Schuhen Knieschmerzen lindern.

Golfschuhe mit Spikes können Verletzungen begünstigen. Bei langen Runden empfiehlt es sich, zeitweise auf Sportschuhe umzusteigen. Moderne Golfschuhe mit Free-Release-Technik können da ebenso förderlich sein.

Wichtig: Der Golfschwung und die Standposition sollten von einem professionellen Golftrainer korrigiert werden. Unter Umständen muss eine knieschonende Haltung antrainiert werden.

Entsprechende Fehlhaltungen lassen sich durch eine Schwunganalyse sehr gut darstellen und lassen sich durch ein spezifisches Trainingsprogramm gezielt verbessern. Hier ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Golfpro und dem behandelnden Arzt für den Therapieerfolg von großer Bedeutung.

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